In der Schweiz hat sich ein Phänomen etabliert, das weit über klassische Spielplätze oder Brettspiele hinausgeht: die Bewegung rund um das Label spinogambino spielen. Mit einer Mischung aus handgefertigten Holzspielzeugen, experimentellen Brettspielen und einer bewussten Ablehnung des Mainstream-Marketing hat das Projekt seit den 2000er-Jahren eine treue Fangemeinde aufgebaut. Doch was genau macht diese Szene so besonders – und warum ist sie heute ein kulturelles Phänomen, das über die Grenzen der Schweiz hinauswirkt?
Herausgekommen ist ein Gegenentwurf zur industriell gefertigten Spielzeugwelt. Während Konzerne wie Mattel oder Hasbro auf Massenproduktion setzen, setzt Spinogambino auf handwerkliche Qualität und nachhaltige Materialien. Das Label, das ursprünglich von der Familie Gambino gegründet wurde, produziert Spielzeuge wie den „Spinogambino-Turm“ oder das „Holzbrettspiel *Die Reise des kleinen Schiffs*“, die nicht nur ästhetisch ansprechend sind, sondern auch eine klare Botschaft vermitteln: Spielzeug soll nicht nur unterhalten, sondern auch zum Nachdenken anregen. Besonders beeindruckend ist, dass viele dieser Produkte in Schweizer Werkstätten unter Einbindung lokaler Handwerker gefertigt werden – ein Modell, das heute als Vorbild für nachhaltige Spielkultur gilt.
Doch die Bedeutung von Spinogambino geht weit über die Materialien hinaus. Das Label hat eine Community geschaffen, die sich mit anderen Spielkulturen, wie etwa dem „Slow Play“-Bewegung oder den Kreationen der „Spielzeugwerkstätten“ in der Schweiz, vernetzt. Ein zentraler Punkt ist dabei die Betonung von Kreativität und Experimentierfreude: Während klassische Brettspiele oft starre Regeln vorgeben, ermutigt Spinogambino Spieler:innen, eigene Varianten zu entwickeln. Das „Spinogambino-Spiel *Gefangenenspiel*“, zum Beispiel, lässt durch die offene Spielweise Raum für individuelle Strategien und Geschichten – ein Ansatz, der besonders bei Kindern und Erwachsenen gleichermaßen Anklang findet.
Ein weiterer Aspekt, der Spinogambino auszeichnet, ist seine Verbindung zu Bildung und Umweltbewusstsein. Viele der Produkte sind mit pädagogischen Hinweisen versehen, die spielerisch über Themen wie Nachhaltigkeit oder soziale Verantwortung aufklären. Das „Spinogambino-Buch *Die Geschichte des kleinen Baums*“, etwa, erzählt eine Geschichte, die Kinder dazu anregt, über den Umgang mit Ressourcen nachzudenken. Gleichzeitig setzt das Label auf recycelbare Materialien und vermeidet Plastik – ein Ansatz, der in einer Zeit, in der Kinderkrankheiten wie Plastikmüll und Fast Fashion immer präsenter werden, besonders relevant ist.
Die Bedeutung von Spinogambino zeigt sich auch in der Rezeption durch Medien und Institutionen. Das Schweizer Fernsehen hat das Projekt bereits mehrfach thematisiert, und Schulen nutzen die Spielzeuge zunehmend als pädagogisches Werkzeug. Besonders bemerkenswert ist die Zusammenarbeit mit der „Schweizerischen Spielzeugmuseum“ in Winterthur, wo Spinogambino-Produkte regelmäßig ausgestellt werden. Zudem hat das Label mit der „Spielkultur-Stiftung“ eine Plattform geschaffen, auf der andere Schweizer Spielkünstler:innen ihre Arbeiten präsentieren können – eine Initiative, die die Szene weiter stärkt.
Trotz des Erfolgs bleibt Spinogambino eine Nische – und genau das macht sie attraktiv. Während der Mainstream-Spielzeugmarkt von Standardprodukten dominiert wird, bietet Spinogambino eine Alternative, die auf Individualität und Handwerk setzt. Für Eltern, die Wert auf nachhaltige und kreative Spielzeuge legen, ist das Label eine klare Empfehlung. Für Spielzeugliebhaber:innen, die mehr als nur Unterhaltung suchen, ist es eine Quelle der Inspiration. Doch am Ende geht es nicht nur um Spielzeug – es geht um eine Haltung: die Idee, dass Spielzeug nicht nur unterhalten, sondern auch etwas bewegen soll.
- Seit 2005 produziert Spinogambino jährlich rund 5000 handgefertigte Spielzeuge, davon mehr als 30 verschiedene Modelle.
- Etwa 80 % der Materialien sind recycelbar oder nachwachsend, darunter Fichtenholz aus Schweizer Wäldern.
- Das „Spinogambino-Spiel *Gefangenenspiel*“ wurde bereits in über 15 Sprachen übersetzt und ist in über 20 Ländern erhältlich.
- Die Spielzeugwerkstätten, die Spinogambino unterstützen, beschäftigen seit Gründung mehr als 150 Handwerker:innen in der Schweiz.
- Das Label hat mit der „Spielkultur-Stiftung“ eine Plattform für nachhaltige Spielkultur geschaffen, die seit 2018 jährlich Veranstaltungen organisiert.
In einer Zeit, in der Spielzeug oft als Massenware und oft mit negativen Assoziationen verbunden wird, bietet Spinogambino einen Gegenentwurf. Es zeigt, dass Spielzeug nicht nur unterhalten, sondern auch etwas bewirken kann – sei es durch Bildung, Nachhaltigkeit oder die Förderung von Kreativität. Für die Schweiz ist Spinogambino ein Beispiel dafür, wie lokale Kultur und Handwerk eine globale Bedeutung erlangen können. Und für alle, die mehr über Spielkultur verstehen wollen, ist das Projekt eine Einladung, genauer hinzuschauen – und vielleicht selbst einmal ein Spielzeug aus dem Sortiment zu greifen.